Details
| Produktnummer: | mfgt079a pdf |
|---|---|
| Arrangement: | Orchester |
| Genre: | Konzertwerk |
| Autoren: | Tailleferre , Germaine (1892-1983) |
| Seiten: | 47 |
| Spieldauer: | 17:00 |
| Verlag: | Musik Fabrik Music Publishing |

Provincia - Suite no. 1 - Noten für Orchester Germaine Tailleferre
Details
| Produktnummer: | mfgt079a pdf |
|---|---|
| Arrangement: | Orchester |
| Genre: | Konzertwerk |
| Autoren: | Tailleferre , Germaine (1892-1983) |
| Seiten: | 47 |
| Spieldauer: | 17:00 |
| Verlag: | Musik Fabrik Music Publishing |
Produktbeschreibung
Maurice Cloches kurzer Dokumentarfilm „Provincia“ (1935), der über das „Comptoir Français du Film Documentaire“ vertrieben wurde, befasste sich mit den römischen Altertümern in Südfrankreich – der „Provincia Romana“, die der Region ihren heutigen Namen gab. Germaine Tailleferres Partitur, die hier in zwei eigenständige Konzertsuiten bearbeitet wurde, setzt dieses Thema in ein sorgfältig durchdachtes musikalisches Konzept um, das sich zwischen drei unterschiedlichen Ebenen bewegt: einer Beschwörung der öffentlichen Spektakel der Antike, einer Beschwörung ihrer sakralen und architektonischen Stille sowie einer rein orchestralen Ebene, die mit der Landschaft und der Gegenwart verbunden ist.
Die lateinische Deklamation
Die eindrucksvollste Passage der Partitur ist ein Cento aus drei Epigrammen von Martial für Solostimme, Männerchor und ausschließlich Schlaginstrumente, ohne weitere Instrumente: das berühmte Porträt des Gladiators Hermes (Epigramme, Buch V, 24 — „Hermes Martia saeculi voluptas...“), den Dialog mit Jupiters Adler über die Entführung des Ganymed (Epigramme, Buch V, 55 – „Dic mihi, quem portas, volucrum regina?...“) sowie die Schilderung der Gladiatoren Priscus und Verus, deren ausgeglichener Kampf bei den Eröffnungsspielen des Flavischen Amphitheaters mit einem seltenen Doppelsieg endete (Liber de Spectaculis, 29 – „Cum traheret Priscus, traheret certamina Verus...“). Alle drei Texte stammen aus dem Umfeld der römischen Arena-Spektakel und wurden mit ziemlicher Sicherheit ausgewählt, um Bildmaterial der Amphitheater von Nîmes oder Arles zu begleiten. Die reduzierte Instrumentierung – ausschließlich Stimmen und Schlaginstrumente – verleiht diesem Abschnitt einen stark „rekonstruierten“ Charakter, der sich von der volleren orchestralen Gestaltung an anderen Stellen der Partitur abhebt.
Die wortlosen Chorpassagen
Neben der lateinischen Deklamation tritt der Chor in zwei weiteren, textlosen Passagen auf: einer Hymne im 5/4-Takt und einem bacchanalartigen Finale im 5/8-Takt, beide für Vocalise (wortlosen Chor) und Orchester instrumentiert. Während das lateinische Cento konkret und historisch spezifisch ist, wirken diese beiden Sätze allein durch ihre Atmosphäre und ihren unregelmäßigen Takt – eher als rituelle Andeutung denn als Rekonstruktion. In der gesamten Partitur gilt ein einheitliches Prinzip: Jede gesungene Passage ist in einem unregelmäßigen Takt (5/8, 5/4 oder das frei deklamierte Latein) gesetzt, während die rein orchestralen Passagen auf einfache Takte (3/4, 4/4) beschränkt sind. Stimme und metrische Unregelmäßigkeit sind durchgehend der Beschwörung der antiken Welt vorbehalten, während regelmäßiger Takt und Orchester allein das beschreibende, zeitgenössische Material tragen.
Eine Selbstausleihe
Die Passage, die die erste Suite abschließt, ist keine Neukomposition: Sie stammt aus der Schlusssequenz von Tailleferres Partitur von 1927 für Paul Claudels Oratorium-Pantomime „Sous les remparts d’Athènes“, die anlässlich des hundertsten Geburtstags von Marcelin Berthelot geschrieben und unter der Regie von Louis Jouvet im Élysée aufgeführt wurde. Tailleferre selbst beschrieb diese Musik als eine Beschwörung von Insektengeräuschen, dem Duft mediterraner Blumen, dem Wind und der perfekten Symmetrie des Parthenon – eine Beschreibung, die sich nahtlos auf die Maison Carrée, den am besten erhaltenen römischen Tempel in Nîmes, übertragen lässt und nahelegt, dass die Passage hier wiederverwendet wurde, um speziell dieses Denkmal zu beschwören, in implizitem Kontrast zu dem Material aus der Arena, das an anderer Stelle in der Suite im Martial-Cento thematisiert wird.
Der Chor in der „Bacchanale“: eine Frage der Aufführung, nicht der Komposition
Der Chorpart im 5/8-Bacchanale-Finale ist im Manuskript durchgestrichen, blieb jedoch intakt und lesbar – ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Kürzung in der Inszenierungsphase handelte und nicht um eine Überarbeitung der Musik selbst. Ein direkt vergleichbarer Fall findet sich in Tailleferres Partitur zu „Sur les Routes d’Acier“ (1938), wo der Chor zwar tatsächlich aufgenommen wurde, sich die Passage – ebenfalls in einem unregelmäßigen Takt, 5/8 – für das für die Aufnahme zusammengestellte Ensemble jedoch als nicht umsetzbar erwies und in der veröffentlichten Fassung durch gesprochenen Text über dem Orchester ersetzt wurde. Die Schwierigkeit in diesem Fall ist gut nachvollziehbar: Ein unregelmäßiger Takt, der gegen einen eigenständigen orchestralen Puls gesungen wird, stellt für jeden Chor ohne ausgiebige Proben ein anspruchsvolles Koordinationsproblem dar, und Tailleferres harmonische Komposition – zentriert auf C, aber reich an großen und kleinen Sekunden sowie Septimen – bietet kaum tonale Anhaltspunkte, um die Tonhöhe wiederzufinden, sobald das Ensemble aus dem Takt gerät. Angesichts des identischen metrischen Problems (5/8) in der „Provincia Bacchanale“ ist derselbe praktische Grund die wahrscheinlichste Erklärung für deren Streichung und nicht etwa ein Mangel in der Vokalstimme. Diese Ausgabe stellt daher den Chorpart als Primärtext wieder her, wobei die historische Kürzung zur Information der Interpreten vermerkt ist: Die Passage ist für einen modernen Chor bei ausreichender Probenzeit zur Sicherung der Tonhöhe im asymmetrischen Takt vollständig aufführbar und darf nur als Ausweichlösung im Einklang mit der Aufführungspraxis der 1930er Jahre weggelassen werden, nicht jedoch als Tailleferres bevorzugte Fassung.











